Radiosynoviorthese (RSO)
Bei der Radiosynoviorthese (RSO) handelt es sich um eine nuklearmedizinische Gelenktherapie zur effektiven Behandlung von Gelenkrheuma oder auch Arthrose (z.B. Kniegelenksarthrose oder Fingerpolyarthrose). Rechtzeitig eingesetzt kann die Radiosynoviorthese das Fortschreiten des Krankheitsgeschehens verlangsamen oder sogar unterbinden. Häufig lässt sich durch die Radiosynoviorthese eine Operation des betroffenen Gelenkes vermeiden.
Durchführung der Radiosynoviorthese
Mit Hilfe einer Punktionskanüle wird ein radioaktives Medikament (Radiopharmakon) in das betroffene Gelenk gespritzt. Bis auf den Einstichschmerz der Punktionskanüle verursacht dies keine Schmerzen. Bei den verwendeten Radiopharmaka handelt es sich um sogenannte Beta-Strahler. Sie haben im Gewebe nur eine sehr kurze Reichweite von einem halben bis zu vier Millimetern. Innerhalb dieser Distanz wirken sie jedoch stark zellschädigend und entfalten dort ihre erwünschte therapeutische Wirkung. Nach der Einspritzung verteilt sich das Medikament gleichmäßig in der Gelenkflüssigkeit; überprüft durch ein Röntgenbild oder per Ultraschall. Da das Innere des Gelenks normalerweise beim Röntgen unsichtbar bleibt, enthält das radioaktive Medikament bei einer Röntgenkontrolle zusätzlich ein jodhaltiges Kontrastmittel.
Das Prinzip der Radiosynoviorthese
Die oberflächlichen Zellen der erkrankten Gelenkschleimhaut nehmen das radioaktive Medikament auf, sodass es dort seine Wirkung entfalten kann. Daraufhin kommt es im Laufe der nächsten Zeit zu einer allmählichen, lederartigen Verschorfung der Schleimhautoberfläche. Gleichzeitig lässt die Schwellung der Schleimhaut deutlich nach. Dabei werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Flüssigkeit ins Gelenk gelangt ist und zu einem oft schmerzhaften Erguss geführt hat. Außerdem werden feine Nervenenden ausgeschaltet, was den Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert. Diese Wirkungen treten allmählich ein: manchmal nach wenigen Tagen, manchmal auch erst nach Wochen. Die endgültige Wirkung lässt sich erst nach rund sechs Monaten beurteilen.
Nach der Radiosynoviorthese müssen behandelte Gelenke für etwa 48 Stunden mit einer Gipsschale oder -schiene ruhiggestellt werden. Auch bis zu einer Woche danach sollten Sie das betroffene Gelenk schonen.
Schmerzen reduzieren, Operationen vermeiden
Die in das Gelenk applizierten radioaktiven Stoffe beseitigen den Reizzustand in den betroffenen Gelenken durch Bestrahlung der Gelenkschleimhaut. Das führt zu einer Linderung der Schmerzen, der Gelenkschwellung und der Bewegungseinschränkung. Sonst oft unvermeidliche Operationen lassen sich mit dieser Behandlung oft verschieben oder sogar verhindern. Bei Gelenkrheuma reduziert die Radiosynoviorthese darüber hinaus häufig die sonst unabdingbar erforderlichen und häufig mit schweren Nebenwirkungen verbundenen Medikamente.
Seit mehr als 30 Jahren erfolgreich
Die Radiosynoviorthese (RSO) besitzt seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hierzulande einen festen Stellenwert bei der Behandlung verschiedener Gelenkbeschwerden. Dabei gilt: Je früher eingesetzt, desto höher liegen die Erfolgschancen. Aber auch bei schon fortgeschrittenen Gelenkschäden kommt es häufig noch zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden.
Wichtig zu wissen
Voraussetzung für die Einspritzung des Radiopharmakons ist eine unzerstörte Gelenkschleimhaut, damit sich die radioaktive Substanz nicht unkontrolliert in den Gelenkräumen verteilt.
Eine Strahlenbelastung ist mit der Therapie praktisch nicht verbunden, da die Strahlen nur eine Reichweite von wenigen Millimetern haben. Dennoch findet diese Behandlung üblicherweise und sicherheitshalber nicht während einer Schwangerschaft statt.
Anwendbarkeit und Grenzen der RSO
Die Radiosynoviorthese kommt hauptsächlich bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen, überwiegend bei rheumatischen Erkrankungen wie der chronischen Polyarthritis, aber auch bei Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung in Frage und zum Einsatz. Außerdem eignet sie sich als Therapie bei „aktivierten“ Arthrosen, beispielsweise der Kniegelenke, beim so genannten „Reizknie“ oder auch bei aktivierter Fingerpolyarthrose.
Ein großer Vorteil dieser Therapie besteht darin, dass sie auch Patientinnen und Patienten mit großem Operationsrisiko helfen kann. Die Radiosynoviorthese lässt sich problemlos auch in kurzen Zeitabständen ein- bis zweimal wiederholen.
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