Entwicklungen in der Computertomographie
Von den ersten Computertomographen bis zur modernen hochauflösenden Bildgebung: Entdecken Sie die wichtigsten Meilensteine der Computertomographie (CT) und erfahren Sie, wie sich das Verfahren im Laufe der Zeit zu einer unverzichtbaren Methode der medizinischen Diagnostik entwickelt hat.
Aktueller Stand
In der Technologie der Computertomographie hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Die wichtigsten Entwicklungen und Innovationen:
PCCT
Mit der photonenzählenden Computertomographie (PCCT) – der derzeit neuesten Entwicklung im Bereich der CT – hält das Direktradiographie-Aufnahmeverfahren auch Einzug in die Ganzkörper-CT mit schnellen Aufnahmeverfahren. Bislang finden sich diese eher teuren Geräte hauptsächlich in Universitätskliniken und spezialisierten Zentren.
Die wesentlichen Vorteile:
a. Bessere Auflösung bei der Energieladung der Photonen (Dual Energie)
b. Bessere räumliche Auflösung durch kleine Pixel (increase spatial resolution)
c. Kein klassisches elektronisches Rauschen wie bei indirekten Verfahren
d. Einsparung der applizierten Strahlendosis
Künstliche Intelligenz
Die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) in CT-Systeme hat in den vergangenen Jahren mächtig Fahrt aufgenommen. Die KI-Algorithmen helfen bei der Bildgebung, der Diagnose und der Planung von Behandlungen und können mithilfe spezieller Software inzwischen sogar zur Parallel-Diagnostik eingesetzt werden (z.B. parallele Begutachtung/Auswertung der Herzkranzgefäße bei einer Lungen-CT).
Dosisreduzierung
Es gibt immer mehr Fortschritte bei der Dosisreduzierung in der CT-Technologie. Verschiedene Techniken, wie beispielsweise „Iterative Reconstruction“, ermöglichen, bei gleichbleibender Bildqualität die Strahlendosis zu reduzieren.
Mehr Schichten
Die Anzahl der Schichten (Detector Rows) in CT-Systemen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Dies ermöglicht eine höhere räumliche Auflösung und damit auch eine bessere Bildqualität.
Dual-Energy-CT/Dual-Source-CT
Dual-Energy-CT-Systeme können zwei unterschiedliche Röntgenenergien gleichzeitig verwenden und dadurch Informationen über Materialdichte und -zusammensetzung liefern. Dies sorgt für eine verbesserte Diagnostik und Therapieplanung.
Mobile Computertomographie
Mobile CT-Systeme ergänzen und erweitern immer mehr die diagnostischen Möglichkeiten. Denn dank ihrer flexiblen Anwendung auch außerhalb von Kliniken und Praxen ermöglichen sie eine schnelle, zeitsparende und einfache Diagnostik – beispielsweise in Rettungsfahrzeugen (speziell in Schlaganfall-Mobilen/STEMO), direkt im Operationssaal oder auf Intensiv-Stationen.
Mehr Zeilen/Detektoren = schnellere Untersuchungen und weniger Strahlenlast
Klassische CT-Geräte arbeiten derzeit mit einer 64- bis 128-Zeilen-Technologie – sogenannte „High-End-Geräte“/Volumen-CT sogar mit 256 bis 320 Zeilen. Letztere befinden sich jedoch derzeit überwiegend im klinischen Bereich oder in spezialisierten radiologischen Zentren.
Letzte Aktualisierung August 2026
Neue Algorithmen senken die Strahlenbelastung
Die sogenannte iterative Bildrekonstruktion mit einem dahinter liegenden Rechenverfahren mit gesteigerter Rechenleistung ersetzt zunehmend die Berechnungen der Schnittbilder mithilfe der sogenannten gefilterten Rückprojektion. Dadurch sinkt die Strahlendosis bei gleichbleibender Bildqualität um bis zu 60 Prozent. Alternativ geht bei vergleichbarer Dosis das Bildrauschen (= zufällige Schwankungen der Bildqualität vor allem hinsichtlich Helligkeit und Bilddichte, die nicht der tatsächlich abgebildeten Anatomie entsprechen) drastisch zurück.
2009
320 Zeilen – das Nonplusultra
Seit Einführung des Mehrzeilers-CT hat sich die Anzahl der Zeilen immer weiter im Laufe der Jahre rapide erhöht. Toshiba setzte mit dem neuen „Aquilion One“ mit 320 Zeilen dahingehend ganz neue technische Maßstäbe. Das auch heute noch aktuelle Premium-Gerät erfasst innerhalb einer Rotation einen Bereich von 16 Zentimetern. Organe müssen nicht mehr spiralförmig gescannt werden, was die Strahlendosis reduziert. Die geringe Rotationszeit von 0,35 Sekunden ermöglicht mit mehreren aufeinanderfolgenden Rotationen um denselben Bereich, ganze Bewegungsabläufe darzustellen.
2007
Zwei Röhren
Siemens stellte den ersten Dual-Source-CT der Öffentlichkeit vor. Dieses Gerät arbeitete mit zwei im 90-Grad-Winkel zueinanderstehenden Röhren. Dadurch verringerte sich nicht nur die Aufnahmezeit, sondern es minimierte sich auch der Einfluss der sogenannten „Bewegungsartefakte“ (= Bildstörungen durch Körperbewegungen von Patientinnen und Patienten während der Untersuchung), besonders bei Herzuntersuchungen. Zum anderen bestand dadurch erstmals die Möglichkeit, eine Untersuchung mit gleichzeitig zwei unterschiedlichen Energieniveaus durchzuführen. Durch Subtraktionsalgorithmen gelang es damit beispielsweise erstmalig, mit entsprechender Software Harnsäureablagerungen bei Gichterkrankungen farbcodiert darzustellen.
2005
Noch schnellere Bilder
Siemens brachte den ersten 64-Zeiler auf den Markt. Ausgestattet mit einer automatischen Dosisanpassung und einer Rotationszeit von 0,37 Sekunden setzte dieses Gerät kurz nach der Jahrhundertwende neue Akzente, gerade hinsichtlich der Herzbildgebung. Zudem konnte eine Rotation einen größeren Bereich abdecken.
2001
Einführung der Mehrzeilen-Technik
Kurz danach gab es bereits das erste kommerziell erhältliche 4-Zeilen Gerät mit von vier Spiralen gleichzeitig erbrachten Aufnahmen. Die Folge: drastisch reduzierte Aufnahmezeiten, was insbesondere in der Diagnostik bewegter Organe (beispielsweise dem Herzen) deutliche Vorteile bringt. Die neue Technik verbesserte parallel die räumliche Auflösung durch Anfertigung dünnerer Schichten.
1998
Die Wiege der Mehrzeilen-Geräte
Erste klinische Veröffentlichungen mit einem Multidetektor-CT (2-Zeiler, Elscint Twin Flash CT) läuteten Ende der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Zeitalter der Mehrzeilen-Technik in der Computertomographie ein; verbunden mit einer deutlich gesteigerten räumlichen Auflösung. Im Gegensatz zum DSR (siehe oben) kamen dabei nur eine einzige Anodenröhre, jedoch mehrere parallel geschaltete Detektoren zum Einsatz.
1998
Neue Perspektiven für invasive Eingriffe durch CT
Echtzeitrekonstruktionen ermöglichten erstmals CT-Durchleuchtungen. Ähnlich wie bei der Angiographie konnten Ärztinnen und Ärzte Eingriffe (z.B. Punktionen) nun online verfolgen und kontrollieren. Dies eröffnete ein ganz neues Einsatzgebiet der Computertomographie, verbunden mit mehr Sicherheit für Patientinnen und Patienten.
1995
Blick ins Herz – ganz ohne Katheter
Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam es zur ersten klinischen Anwendung der CT-Angiographie (Darstellung von Blutgefäßen). Die Spiral-CT ermöglichte erstmals eine spezielle Untersuchung arterieller Gefäße mithilfe eines Kontrastmittels ganz ohne Katheter – bislang eine Domäne der klassischen und invasiven Angiographie. Aufnahmezeit: etwa 30 Sekunden. Zu den ersten Anwendungen gehörten die Beurteilung von Aneurysmen oder von Dissektionen (= Einrisse der inneren Gefäßschicht von Arterien) bei Blutgefäßen im Brust- und Bauchraum.
1989
Scanner mit kontinuierlich rotierender Röhre
Bei konventionellen CT-Geräten erhielt die Röntgenröhre ihren benötigten Strom per Kabel. Nach einem 360-Grad-Scan musste die Röhre daher abgebremst und an ihre ursprüngliche Position zurückgebracht werden – die minimale Scanzeit von 2 Sekunden stellte daher in dieser Zeit das erreichbare Limit dar. Eine weitere Verkürzung ermöglichte erst die Einführung von Schleifenringspannungskontakten möglich, die eine kontinuierliche Rotation von Röntgenröhre und Detektor erlaubte.
1987
EBT: Eine technologische Sackgasse
Forschende der Universität von Kalifornien in San Francisco (UCSF) entwickelten die Elektronenstrahl-Computertomographie (EBT) und damit ein kombiniertes Ultraschall-Röntgenverfahren mit einer elektromagnetischen Steuerung des Elektronenstrahls. Da diese neue Technik keine rotierenden Geräteteile benötigte aufgrund stationär befestigter Detektoren, betrugen die Aufnahmezeiten lediglich 50 bis 100 Millisekunden. Die Geräte hatten einen deutlich kleineren Durchmesser, waren jedoch länger als bisherige CT-Scanner. Die Schichtdicke betrug 0,8 mm. Durch die hervorragende Zeitauflösung ermöglichte diese Technik sowohl morphologische als auch funktionelle Herzuntersuchungen. Im Vergleich zur Spiral-CT oder der späteren MD-CT war der Unterhalt der Geräte um ein Vielfaches teurer – somit blieb eine weite Verbreitung der EBT aus.
1980
Das „Mayo-Monster“
Der an der Mayo Clinic in Minnesota entwickelte „Dynamic Spatial Reconstructor (DSR) beeindruckte mit einer seinerzeit bahnbrechenden Technik. Das wegen seiner Größe auch als „Mayo-Monster“ bezeichnete Gerät besaß 28 an einer 4,5 Meter durchmessenden Gantry befestigten Anodenröhrchen, die um die Untersuchungspersonen rotierten. Während ein konventioneller CT-Scanner seinerzeit fünf Sekunden benötigte, um eine Schicht zu erfassen, brachte es der DSR in der gleichen Zeit auf bis zu (beeindruckende!) 75.000 Schichten mit einer damals sensationell feinen Schichtdicke von 0,9 Millimetern. Die seinerzeitigen computertechnischen Limitationen führten jedoch dazu, dass die Rekonstruktion der Bilder ein Vielfaches der Aufnahmezeit benötigte.
1980
Medizin-Nobelpreis für G. Hounsfield und A. Cormack
Für ihre Pionierarbeiten zur Computertomographie erhielten die beiden Erfinder der Technik – Hounsfield und Cormack –, die vollkommen unabhängig voneinander gearbeitet hatten, gemeinsam die höchste Auszeichnung in der Medizin: den Nobelpreis.
1979
Die vierte Gerätegeneration: Nur die Röhre rotiert
In der nun entwickelten vierten Scanner-Generation (AS&E-Scanner) befanden sich erstmals zirkuläre und fest im gesamten Gerät montierte Detektoren. Es rotierte nur noch die Röntgenröhre, was die Aufnahmezeiten für einen Scan (eine Scheibe) auf ein bis fünf Sekunden reduzierte. Diese Technik erforderte 1.200 bis 2.400 Detektoren.
1977
Erste Fachzeitschrift nur zum Thema CT
In New York erschien die erste Ausgabe einer Fachzeitschrift, die sich ausschließlich der Computertomographie widmete. Der Herausgeber Giovanni Di Chiro arbeitete als Neurochirurg am National Institute of Health in Bethesda. Diese Konstellation zeigt, dass der klinische Schwerpunkt der Computertomographie seinerzeit eindeutig auf der Schädel-Bildgebung lag.
1977
Die dritte Gerätegeneration: Kontinuierlich rotierende Röhre
Die zeitliche Auflösung der bisherigen Geräte wurde durch das Trägheitsmoment von Röhre und Detektor, welche immer wieder beschleunigt und abgebremst werden mussten, limitiert. In der neu entwickelten dritten Scanner-Generation arbeiteten die Geräte jetzt mit zwischen 256 und 1.200 Detektoren, welche einen Winkel von 30 bis 60 Grad des Scanners abdeckten. Die Aufnahmezeit verkürzte sich hierdurch weiter, der Detektor musste aber unverändert zeitgleich mit der Röntgenröhre rotieren.
1974
Vom Kopf zum gesamten Körper
Mit dem ACTA Scanner kam weltweit der erste Computertomograph auf den Markt, der Bilder vom gesamten menschlichen Körper ermöglichte. Das erste Exemplar nutzte die Universität von Minnesota/USA. Bewegungsartefakte (= Bildstörungen durch Körperbewegungen der Untersuchungsperson) limitierten den Einsatz am Körperstamm, sodass der ACTA-Scanner diagnostische Bilder vorerst nur vom Kopf oder den Extremitäten ermöglichte.
1974
Die zweite Gerätegeneration: Schärfere und schnellere Bilder
Die zweite CT-Generation (EMI 5000 Scanner) verwendete immerhin schon bis zu 52 hintereinander liegende Detektoren. Die räumliche Auflösung nahm von 80 auf bis zu 320 Bildpunkte zu, während sich die Aufnahmezeit auf 18 Sekunden pro Schicht herunterschrauben ließ.
1974
Konkurrenz durch Siemens
Die Entwicklung bescherte der kleinen Firma EMI für einige Jahre eine Monopolstellung, 1974 zog dann die Firma Siemens als erster traditioneller Röntgengerätehersteller mit dem „Siretom“-Kopf-Scanner nach.
Für die Akquisition einer Schicht benötigte der „Siretom“ etwa 10 Minuten bei einer im Vergleich zu heute noch sehr bescheidenen Bildqualität mit 80 x 80 Bildpunkten.
1974
Der erste Blick in den Kopf per CT
Die Firma EMI stellte mit „Mark 1“ den ersten Kopf-Scanner vor, entwickelt von dem bereits erwähnten Godfrey N. Hounsfield. Diese erste Geräte-Generation besaß nur einen einzelnen Detektor, der genau gegenüber der Strahlenquelle lag und mit dieser um den Patientenkopf rotierte. Zum Vergleich: Die heutigen Mehrzeilen-Geräte mit üblicherweise 16 bis 128 Zeilen verfügen allein in jeder Zeile über 1.000 bis 2.000 Detektoren! Der EMI-Scanner „Mark 1“wurde erstmals 1971 im Atkinson Morley Hospital in London aufgestellt, 1973 nahm die Mayo Clinic den ersten EMI-Kopf-Scanner in den USA in Betrieb.
1971-1973
Der Prototyp der Computertomographie
Der englische Ingenieur Godfrey N. Hounsfield (1919-2004)) entwickelte den ersten mit Röntgenstrahlung arbeitenden Experimental-Scanner. Vorerst konnten nur anatomische Präparate vermessen werden.
Die Messung dauerte bis zu 9 Stunden, die Bildrekonstruktion 2 ½ Stunden. Bezug zur Praxis: Die Bilder ermöglichten partiell eine Unterscheidung zwischen grauer und weißer Hirnsubstanz.
1968
Eine vorerst kaum beachtete Publikation
Der südafrikanische Physiker Allen M. Cormack veröffentlichte eine Arbeit, in der er die Dichte einzelner Punkte in einem Volumen ermittelte, indem er die Röntgenröhre um sein Objekt rotieren ließ und alle 7,5 Grad ein Bild anfertigte.
1964
Von zweidimensional zu dreidimensional per Mathematik
Der österreichische Mathematiker Radon entwickelte ein Rechenmodell, mit dem sich ein dreidimensionales Objekt aus zahlreichen zweidimensionalen Projektionen dieses Modells errechnen ließ. Diese Ergebnisse fanden seinerzeit Anwendung in der Physik.
1917
Blick in die Zukunft
Das Thema Strahlenbelastung samt deren Minimierung steht künftig auch weiterhin im Fokus rund um die Weiterentwicklung der CT-Technologie. Gerade in Konkurrenz zu den strahlenfreien Untersuchungsarten wie Ultraschall und MRT gilt es, einen Kompromiss zwischen technischen und diagnostischen Möglichkeiten und der Strahlenbelastung für den Patienten zu finde Vor allem deshalb, weil bildgebende Verfahren auch einen immer größeren Stellenwert bei der Prävention und Früherkennung von Erkrankungen einnehmen und mehr und mehr (minimal)-invasive Untersuchungen dazu ablösen; beispielsweise die klassische Darmspiegelung oder auch Untersuchungen per Herz-Katheter.
Häufige Fragen und Antworten
In den letzten Jahren wurden uns über dieses Portal viele interessante Fragen gestellt. In unseren FAQ finden Sie die häufigsten Fragen und die Antworten unserer radiologischen Expertinnen und Experten.
